Posts mit dem Label AFD werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label AFD werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 10. Februar 2022

Ossi-Versteher

 Ich habe im Februar 2022 an einer Online-Veranstaltung der Volkshochschule teilgenommen. Es ging um das „Unzufriedene Volk“. Zuerst habe ich gedacht, es ginge um mich. Falsch. Es ging um die Ostdeutschen. Nach einer Stunde war die Veranstaltung vorbei. Ich habe dazugelernt.

Die Ossis haben 1990, nach der Wiedervereinigung, an ein Wirtschaftswunder geglaubt oder gehofft. Wie zu Ludwig Erhards Zeiten. Die blühenden Landschaften, wie Helmut Kohl sie den Ostdeutschen versprach, kamen nicht. Das Versprechen von Kohl wurde nicht eingehalten. Vieles wurde im Osten platt gemacht. Die Treuhand lässt grüßen.

Vier Millionen junge ausgebildete Ostdeutsche zogen gen Westen. Besonders die ländlichen Regionen bluteten aus. Auflagenstarke überregionale Zeitungen wurden von westdeutschen Medienkonzernen übernommen. Dank der Treuhand. Von da an berichteten nur noch Wessis über die Ossis. Die Identität der Ostdeutschen wurde einfach buchstäblich plattgemacht. Das Ostdeutsche System war auch komplett dem Westdeutschen unterlegen. So der Glaube der Wessis.

Zuerst kämpften die Ossis nach 1990 ums wirtschaftliche Überleben. Danach, als es wieder aufwärts ging, konnten die Ossis ihren Frust über die Wessis hochfahren. Anfangs über die Linke über die PDS. Die PDS war die Nachfolgepartei der SED. Die Partei „Des Demokratischen Sozialismus“ wechselte dann in das Parteien-Establishment und wurde Bestandteil der Partei „Die Linke“.

Die Ostdeutschen brauchten wieder ein Ventil, um ihren neuen Frust ablassen zu können. Es half nichts, nur wie zur DDR-Zeiten einen ungültigen Wahlzettel als Protest abzugeben. Das war damals die einzige mögliche Option. Das würde in der westdeutschen Öffentlichkeit nicht registriert werden.  

Also, wie kann der Wessi wohl provozieren werden? Klar doch! Die AFD ist die Problemlösung. Sie wurde die neue Protestpartei der Ossis. Außerdem: „Ich mag den Feind meines Feindes“. Russland halt und Putin! Beides, AFD und Putin, lösen nach wie vor Hysterie bei den Wessis aus und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Frustration der Ossis. Das Ziel ist damit für die Ossis erreicht. Die Wessis haben allerdings darauf auch eine emotionale Antwort: Der Osten ist für sie quasi die „Bad Bank“. Alles was schlecht ist, wird dorthin abgeschoben. AFD, Corona …

 

Sonntag, 27. August 2017

Die „Guten“ und die „Bösen“


Ich war auch in Brinkum bei der AFD-Veranstaltung am 24. August 2017.  Ich kannte bisher die AFD nur von ARD, ZDF und Deutschlandfunk. Ich wollte mir selbst mal ein Bild von der AFD machen. Als ich ankam, war ich erschrocken über all die Absperrungen, die vielen Polizistinnen und Polizisten, die wie Ritter aus dem Mittelalter aussahen. Allerdings versehen mit einer Hightech-Rüstung.

Sie bewachten die Guten, die Gegendemonstranten. Das überraschte mich sehr. Die Guten hatten Plakate aufgestellt, Jugendliche riefen im Chor immer wieder Nazis raus und eine Frau, die mich an Joan Baez erinnerte, sang Lieder, begleitet von einer Gitarre. Die Leute standen in einem großen Kreis um sie herum und lächelten wohlwollend. Es fehlte eigentlich nur der Song.  We shall overcome.  Dann wäre das Happening perfekt gewesen. Sie gehörte ja auch zu den Guten, zur Vielfalt, zu den Bunten und den vermeintlich Toleranten.

Plötzlich sprach mich eine freundliche Polizistin an, sie hatte wohl meinen suchenden, etwas verwirrten Blick gesehen. Sie zeigte mir den Weg zur AFD-Veranstaltung.  Da war es dann ruhig, die Leute, nicht sehr viele, standen herum und warteten, sie sahen ganz normal aus und nicht böse, Nazi-Embleme waren nicht zu sehen. Sie schauten immer wieder zu den Guten, wenn diese besonders laut Nazis raus schrien und die Trillerpfeifen einsetzten. Da war auch kaum noch Polizei bei den Bösen. Komisch. Fast alle standen jetzt bei den Guten. Dann hielt Alexander Gauland sein Rede. Für einen Populisten ziemlich emotionslos. Die Rede reich an historischen Vergleichen. Wenn ich den Schwerpunkt seiner Rede herausgreife, die Flüchtlingskrise, dann konnte ich keinen Unterschied zu den Wertkonservativen in der Christlichen Volkspartei erkennen.

Ich bin dann gegangen, die Bösen haben mich enttäuscht, sie waren heute nicht böse, und die Guten hatten einen ganz schlechten Tag. Sie könnten schon etwas vielfältiger sein und Meinungen anderer respektieren.