Sonntag, 20. Mai 2018

Warum nicht einfach mal Gott suchen?

Mit einem Appell für Frieden und Toleranz in der Welt haben die Veranstalter des 101. Katholikentages Zehntausende Besucher auf die fünftägige Veranstaltung in Münster eingestimmt, schreibt der Weserkurier am 11. Mai 2018. Der Kirchentag, der geprägt war vom Auftritt vieler Politiker hatte auch ein Thema: „Suche Frieden“, das auch weltlich gedeutet werden kann. 

„Suche Gott“ wäre vielleicht angebrachter gewesen, da nur noch 10 Prozent der Katholiken regelmäßig in die Kirche gehen und das Gemeinde-Leben nicht mehr viele erreicht. Der Kirchentag wurde vom Land Nordrhein-Westfalen mitfinanziert. Warum eigentlich?  Die Kirche ist doch steinreich, beschäftigt Unternehmens- und Anlageberater und der Papst hat doch sogar eine eigene Bank, die Vatikanbank. Wozu also die Kirche noch mit Steuergeldern füttern?  

Deutschlands christliche Kirchen nahmen im vergangenen Jahr so viel Geld ein wie noch nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten die Kirchensteuereinnahmen über satte 11 Milliarden. Der Hauptgrund für die Rekordeinnahme liegt sicherlich in der guten Entwicklung der Löhne und Gehälter.

In Deutschland ist die Kirchensteuer eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder an ihre Kirche. Die Höhe legt die Kirchenleitung fest, das jeweilige Landesparlament setzt sie in Kraft. Die Kirchensteuer beträgt in der Regel neun Prozent der Lohn- oder Einkommensteuer. Auch auf Kapitalerträge sowie Renten und Pensionen wird Kirchensteuer erhoben. 

Die Kirchensteuern werden für den dreifachen Auftrag der Kirche eingesetzt: Seelsorge, Gottesdienst und Caritas. Der kostenintensivste Bereich ist die Gemeindearbeit in den Pfarreien, dann die Finanzierung von sozialen Diensten und Kindergärten. Etwa ein Fünftel der Kirchensteuern fließt in soziale Einrichtungen vom Altenheim bis zum Krankenhaus.
Die Kirche finanziert außerdem die Schulen, Weiterbildungseinrichtungen, Kultur und Seelsorge im Krankenhaus und im Gefängnis beispielsweise. Ein weiterer Teil fließt in weltweite Aufgaben wie Mission und Entwicklungshilfe. Auch Leitung und Verwaltung der Bistümer müssen bezahlt werden. Ein Großteil der Aufgaben könnte doch der Staat direkt übernehmen. Das wäre doch viel einfacher. Warum braucht Twistringen beispielsweise ein Gymnasium der Schulstiftung im Bistum Osnabrück. Das generiert doch nur zusätzliche Kosten!  

Ein klarer Schnitt würde Sinn machen. Damit beide wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen: die Kirchen in ihrer Verkündigung, der Staat als weltanschaulich neutraler und unparteiischer Vermittler zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Stattdessen schlingern die Kirchen hin und her. Einerseits wollen sie sich als eine unter anderen gesellschaftlichen Gruppen in den demokratischen Rechtsstaat einordnen. Wenn es beispielsweise um staatliche Zuschüsse für soziale Einrichtungen geht, vergleichen sie sich mit den übrigen freien Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt oder dem Roten Kreuz. Andererseits beanspruchen die Kirchen Sonderrechte. Sie machen Ansprüche auf staatliche Leistungen aus Rechtstiteln geltend, deren Ursprung in Zeiten zu suchen ist, in denen Kirche und Staat noch nahezu eins waren. Der Staat schlingert genauso. Im Grundgesetz hat er sich von der Kirche abgekoppelt. Aber in der Tagespolitik sind beide weiterhin eng verbunden. Zwar fordert die freiheitliche Demokratie geradezu, Religion als Privatsache zu betrachten und ihre Institutionen vom Staat zu trennen. 

Besonders gut lässt sich am Beispiel der Staatsleistungen erklären, was die Sache so schwierig macht. Staatsleistungen bedeutet Geld in Millionenhöhe, das die Bundesländer den Kirchen jedes Jahr überweisen und mit dem diese unter anderem einen Teil der Gehälter ihrer Geistlichen bezahlen. Mit Kirchen sind hier die katholischen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen gemeint. Warum gibt es diese Leistungen? Es ließe sich jetzt ein ausführlicher historischer Exkurs einschieben, ein Rückblick auf den Augsburger Religionsfrieden von 1555, den westfälischen Frieden von 1648, auf Napoleon und den Reichsdeputationshauptschluss. Wichtig daran sind eigentlich nur einige Gedanken: Im Zuge der verschiedenen Säkularisierungen eigneten sich damals die weltlichen Gewalten geistliches Vermögen beträchtlicher Höhe an. Im Gegenzug übernahmen die Herrscher die Verantwortung für die finanzielle Sicherheit der Kirchen.

Wäre es jetzt nicht wirklich an der Zeit, die Trennung zwischen Staat und Kirche vorzunehmen? Die Kirchensteuer abzuschaffen und die Kirche als reine Privatangelegenheit jedes Einzelnen anzusehen ? 

Die Politiker würden dann auch nur noch als Privatpersonen zu den Kirchentagen reisen können und der Kardinal Reinhard Marx würde nicht mehr als rot-grüner Fast-Politiker Ansprachen an seine Katholiken halten sondern in seinen Predigten "Gott suchen". 

Warum zur Abwechslung nicht einfach mal "Gott suchen" und sich nicht in die Parteien- und Flüchtlingspolitik einmischen?

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